Hochbegabung


Hochbegabung ist eine Ressource für das Individuum und die Gesellschaft und in erster Linie Anlass zur Freude.

Wir denken, man sollte nicht davor zurückschrecken, dass Wort Hochbegabung wieder gesellschaftsfähig zu machen.

Hochbegabung bedeutet jedoch nicht, dass zwangsläufig eine hohe Leistungsfähigkeit vorhanden sein muss.

Die Beurteilung einer intellektuellen Hochbegabung oder besonderen Begabung ist unter anderem ein metrisches Ergebnis. Durchschnittlich intelligente Menschen haben einen Intelligenzquotienten (=IQ) zwischen 85 und 115 Punkten, überdurchschnittlich Begabungen liegen zwischen 115 und 129, die Hochbegabung beginnt mit einem IQ ab 130 Punkten, wobei jeweils die Vertrauensintervalle zu berücksichtigen sind.

Intelligenz ist aber kein physikalisches Merkmal, das mit einem Messinstrument direkt erfasst werden könnte. Unter Intelligenz versteht man eine Beschreibung von Fähigkeiten, die zum Verständnis von Sachverhalten und zur Erkenntnis führt (= kognitive Fähigkeiten). Eine ausführliche Befragung der aktuellen und bisherigen Lebensereignisse und der Erfahrungen aus Kindergarten oder Schule in Kombination mit Untersuchungen anhand wissenschaftlich anerkannter testpsychologischer Messverfahren geben Auskunft über das Vorliegen verschiedener Begabungen, Intelligenz und Leistungsfähigkeit.

Gelegentlich können hochbegabte Kinder ihr eigentliches Potential nicht zeigen und schulische Minderleistungen sind keine Seltenheit. Viele Sachverhalte prägen letztlich die Leistung: Stressbewältigungsstrategien, Motivation, Lernstrategien, Prüfungsangst, Kontrollüberzeugung, Begabungsfaktoren wie intellektuelle Fähigkeiten, Kreativität, soziale Kompetenz, Musikalität und Psychomotorik. Auch Umweltmerkmale sind entscheidend, das Familienklima, das Klassenklima, kritische Lebensereignisse.

Wenn Kinder ihre Leistungen nicht zeigen können, spricht man von „Underachievern“.

Unterforderte Kinder können auch mit einer Vielzahl von Verhaltensauffälligkeiten, psychosomatischen oder kinder- und jugendpsychiatrischen Beschwerden reagieren. Differentialdiagnostisch müssen Störungen wie ADHS, Autismus, Somatisierungsstörungen oder auch Depressionen abgegrenzt werden.

Hochbegabte Menschen weisen keine für sie typischen Merkmale aus, vielmehr findet sich das gesamte Persönlichkeits- und Leistungsspektrum wie bei durchschnittlich begabten Personen.

Man geht von einer Häufigkeit von 2% der Bevölkerung aus. Es gibt 9,7 Millionen Schülerinnen und Schülern an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland, davon wären dann 194.000 hochbegabte Schüler.

Uns geht es in erster Linie darum, wenn Störungsbilder in der Praxis auftauchen, ob eine unerkannte Hochbegabung die Ursache der Symptome ist, ob die Auffälligkeiten begleitend oder unabhängig voneinander bestehen; so müssen oft Teilleistungsstörungen abgeklärt werden (insbesondere Lese-Rechtschreib-Schwächen) aber auch Konzentrationsstörungen, Störungen der Wahrnehmungsorganisation. Auch tritt natürlich ein ADHS gemeinsam mit Hochbegabung auf.

Die differentialdiagnostische Abklärung von Verhaltensauffälligkeiten, Schulstörungen und emotionale Störungen sollte eine kognitive Beurteilung nach Möglichkeit mit beinhalten. Dies ist eine kinder- und jugendpsychiatrische Tätigkeit, die entsprechend anderer diagnostischer Verfahren von den Kostenträgern übernommen werden sollten.

Wenn es nur um die Abklärung der kognitiven Leistungsfähigkeit geht, ohne Notwendigkeit einer medizinisch-psychiatrischen Beurteilung, sollten hierfür den Krankenkassen die Kosten nicht aufgebürdet werden.