Teilleistungsstörungen, Legasthenie, Lese-Rechtschreib-Störungen, Dyskalkulie (Rechenstörung)


Im Verlauf der Jahre sehen wir immer mehr Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Störung. Oft werden diese Kinder schon mit zusätzlichen sekundären Neurotisierungen vorgestellt. So leiden diese Kinder oft unter einem Minderwertigkeitsgefühl, sie werden in der Schule gemobbt, zeigen psychosomatische Auffälligkeiten, wie Einnässen oder eine Störung im Sozialverhalten, wobei entweder ein depressiver Rückzug in Frage kommt oder eine zunehmende Aggressivität.

So versuchen wir die aktuelle Symptomatik des Lesen und des Rechtschreibens des Kindes zu erfassen, wir schauen, ob eine spezifische psychische Co-Morbidität hinzukommt und führen eine differentialdiagnostische Abklärung durch. So sind Tests sehr wichtig, um eine Intelligenzminderung, natürlich auch eine intellektuelle Unterforderung abzuklären. Oft ist eine Legasthenie vergesellschaftet mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung, so muss auch diese abgeklärt werden und entsprechend behandelt werden. Auch umschriebene Entwicklungsstörungen spielen eine große Rolle (Sprache, Motorik, Rechnen). Wir klären ab, ob depressive Störungen eine Rolle spielen (Antriebsverlust, Freudlosigkeit, mangelndes Selbstvertrauen), oder Angststörungen (Schulängste), Anpassungsstörungen, Deprivation, beeinträchtige Beziehungen zu Gleichaltrigen, Mitschülern und Lehrern, psychosomatische Störungen (Essstörungen, Schlafstörungen, nächtliches Einnässen, Tics).

Insgesamt ist die störungsspezifische Entwicklungsgeschichte des Kindes oder Jugendlichen von großer Bedeutung, ebenso die medizinische Anamnese, die Familienanamnese.

Nach einer entsprechenden Diagnostik versuchen wir abzuklären, was dem jeweiligen Kind am meisten hilft: LRS-Therapie, Sprachtherapie, Ergotherapie, Psychotherapie, eventuell auch Pharmakotherapie einer Begleitstörung, wie z. B. beim ADHS.

Oft ist die Frage der Finanzierung hier sehr wichtig: es kommt eine gutachterliche Stellungnahme für das Jugendamt in Frage, um eine entsprechende Eingliederungshilfe nach 35a SGB VIII zu erhalten.

Analog wird bei der Rechenstörung verfahren. Dieses Problem tritt glücklicherweise im Vergleich zu einer LRS seltener auf. Wir persönlich haben in unserer Praxis die Erfahrung gemacht, dass oft eine Rechenstörung in Verbindung mit einer hypoaktiven Aufmerksamkeits-Defizit-Störung einhergeht, wobei aus unserer Sicht besonders Mädchen betroffen sind.

In jedem Fall wird ähnlich verfahren wie bei der LRS, eine eingehende Diagnostik muss verfolgen, das gesamte Bedingungsgefüge von Schule, Elternhaus und Individuum erfasst werden, um eine entsprechende Therapie einleiten zu können.