Lösungsorientierte Kurzzeittherapie/ Hypnotherapie/ Selbsthypnose-Techniken



1. Lösungsorientierte Kurzzeittherapie


Tiefenpsychologische Therapie und Beratungsmethoden versuchen in erster Linie die hinter dem Problem eines Patienten liegenden Ursachen zu ergründen, um das Problem zu lösen. Die lösungsorientierte Kurzzeittherapie dagegen arbeitet vorwiegend an den Lösungsmöglichkeiten.

Nach der Theorie dieser Methode verfügt jeder Mensch, aber auch jedes System, z. B. eine Familie, über alle Ressourcen, die es zur Lösung seiner Probleme benötigt, jedoch häufig nur nicht wahrnimmt oder nicht nutzt. Es geht hierbei weniger um die Analyse, als vielmehr um die Konstruktion von für den Patienten passenden Lösungen. Diese bestehen darin, sich von bisherigen, das Problem begünstigenden Verhaltensweisen, zu lösen, in denen der Patient sich in typischen Situationen anders verhält und hierdurch Veränderungen bei sich und bei anderen in Gang setzt. Bereits kleine Veränderungen im Verhalten können zu einem Verbreitungseffekt führen, der weitreichende Veränderungen nach sich ziehen kann.

Durch die Fokussierung auf die Stärken eines Kindes, eines Jugendlichen oder einer Familie, auf die Ressourcen des Patienten, wird dieser dazu befähigt, seine Aufmerksamkeit vom Problem und der Annahme einer Unabänderlichkeit, wegzuwenden und sich stattdessen zu vergegenwärtigen, dass er über eigenständige Möglichkeiten verfügt, die zu einer Lösung führen können.

2. Hypnotherapie


Lösungsorientierte, ressourcenorientierte Interventionen können hypnotherapeutisch untermauert werden.

Viele unterschiedliche Prozesse werden dem Unbewussten in der Ericksonschen Hypnotherapie zugerechnet: spontane psychische Abläufe (Träume, Gedankenproduktion, Erinnerungen), automatische Handlungen und unkontrollierbare Symptome (wie Zwangsgedanken und –handlungen), ideomotorische Vorgänge, physiologische Prozesse des autonomen, bzw. vegetativen Nervensystems, welche die Regulation vielfältiger Körperfunktionen betreffen. Dabei definieren sich unbewusste Vorgänge durch ihre Unbeeinflussbarkeit und Unwillkürlichkeit. Sie entstehen ohne bewusste Bemühungen (Dirk Revenstorf).

Erickson sieht das Unbewusste als einen großen Speicher von Lernerfahrungen, die das jeweilige Individuum betreffen, aber auch das kollektive Unbewusste. Beide können einen erheblichen Einfluss auf psychische und körperliche Vorgänge ausüben. Diese Erfahrungen sind wertneutral und für Veränderungen nützlich. Im Gegensatz dazu wird dem bewussten Denken mehr kontrollierende und nicht die für die Veränderung nötige kreative Qualität zugesprochen.

Das bewusste Denken ist vom Patienten und seinen alltäglichen Ratgebern in den meisten Fällen schon vielfach bemüht worden, ohne zu einer erfolgreichen Veränderung zu kommen.

Auch bei Kindern und Jugendlichen war Erickson der Meinung, dass man Vertrauen in unbewusste Prozesse haben und sich vom Unbewussten führen lassen kann. Für Erickson war das Unbewusste ein Helfer, den es in der Therapie zu nutzen galt.

Symptome werden vom Unbewussten beeinflusst oder gar hergestellt. Sie erfüllen eine Anpassungsaufgabe oder stellen eine mögliche, wenn auch nicht die optimale Problemlösung her.
Hypnotherapie wird als Weg betrachtet, um mit unbewussten Prozessen Kontakt aufzunehmen und diese zu beeinflussen.

Trancephänomene kommen nicht nur bei therapeutischen Tranceinduktionen vor. So kann ein Mensch gleichzeitig telefonieren und auf einem Schreibblock Bilder malen, Auto fahren und innerlich an irgend etwas anderes denken. Das heißt, dissoziertes Verhalten tritt auch ohne Tranceinduktionen vor. Weitere Beispiele für solche Phänomene im Alltag sind Tagträume, die Absorbiertheit in eine Lektüre, ein Film, ein Gespräch.

Dies alles sind charakteristische Merkmale eines Trancezustandes: Fokussierte Aufmerksamkeit, geringe Störbarkeit, Zeitverzerrung.

Grundsätzlich lassen sich Prinzipien der Ericksonschen Hypnotherapie wie folgt zusammenfassen:
Scheinbare Hindernisse werden umgedeutet, begriffliche Kategorien des Patienten werden genutzt. Veränderungen werden eingeführt, wo der geringste Widerstand zu erwarten ist. Dies kann ausreichen, um das ganze Gebäude der Problemhaltung zu erschüttern und damit eine Neuorganisation auszulösen. Auch durch einen Moment der Verwirrung können eingefahrene Denkmuster labilisiert werden, dadurch werden kreative Problemlösungen erleichtert. Wichtige Suggestionen können beiläufig geäußert werden, durch Bilder, Annekdoten. Sie werden auch dann registriert, wenn sie nicht bewusst wahrgenommen werden. Jeder Mensch, ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, entscheidet unbewusst über die Nützlichkeit beiläufig aufgenommener Informationen.

Gewohnte Muster sollen unterbrochen werden, neue Ressourcen erschlossen werden. So können ausgegrenzte Lebenserfahrungen, die durchaus positiv waren, aus Gründen einseitiger Bewertung später vergessen wurden, wieder zugänglich gemacht werden. So werden letztlich Lebensläufe konstruiert, negative Fakten aus der Vergangenheit können an Bedeutsamkeit verlieren.

Anstatt ein affektiv belastendes Problem in der Gegenwart zu lösen, könnte es hilfreich sein, einen Menschen in seinem Denken, Vorstellen und Empfinden in die Vergangenheit oder Zukunft zu orientieren und in dieser Befindlichkeit eine andere Sichtweise gewinnen zu lassen.

3. Selbsthypnose-Techniken


Aus dem Vorangegangenem ist sicherlich erschließbar, dass auch Kinder und Jugendliche in selbsterzeugten Trancezuständen ihre Aufmerksamkeit auf ihre Stärken fokussieren können. Somit lassen sich Kraftquellen anzapfen, die für neue Problemlösungen notwendig sind. Solche Techniken sind erlernbar mit entsprechender Kooperationsbereitschaft.